Klima: Quellen und Mengen · ARGUMENTATIONSKARTE 144

„Vulkane stoßen mehr CO₂ aus als alle Menschen zusammen“

FalschGeprüft am 8.10.2026

Vulkane setzen CO₂ frei, aber die jährlichen menschengemachten Emissionen liegen deutlich höher als die vulkanischen Emissionen weltweit. Einzelne spektakuläre Ausbrüche ändern diesen Größenvergleich nicht. Außerdem wirken nicht alle Bestandteile einer Vulkanwolke gleich auf das Klima.

01Das kannst du sagen

DEINE WORTE. DEIN STIL.

Vulkane geben tatsächlich CO₂ ab. Ihre weltweite Jahresmenge ist aber viel kleiner als die menschengemachte. Entscheidend ist ein Vergleich derselben Zeiträume und Einheiten, nicht die Größe einer sichtbaren Aschewolke.

BELEGTES BEISPIELKarsten HilseMärz 2019 · Kontext ansehen

AfD-Bundestagsabgeordneter

Antwort auf Klimafragen von Stefan Rahmstorf im März 2019. Der Klimaforscher dokumentierte Hilses Antwort am 20.03.2019 und verlinkte den ursprünglichen Facebook-Beitrag.

Zitatausschnitt

„ca. das 10 fache der anthropogenen CO2 Emissionen“

Worum es geht: Unterseeische Vulkane würden ungefähr zehnmal so viel CO₂ ausstoßen wie menschliche Aktivitäten.

Einordnung des Beispiels · Falsch: Die vom USGS zusammengefassten Studien berücksichtigen Vulkane an Land und unter Wasser. Ihre jährliche CO₂-Menge liegt weit unter den menschlichen Emissionen. Unsicherheiten über einzelne Tiefseequellen rechtfertigen nicht die behauptete Umkehr dieser Größenordnung.

Die Aussage ist in einem zeitgenössischen Austausch mit dem Klimaforscher Stefan Rahmstorf dokumentiert. Vulkane beeinflussen das Klima durchaus, etwa durch zeitweilig kühlende Schwefelaerosole. Das bestätigt aber nicht die behauptete zehnfache CO₂-Menge.

  • Quelle zur Aussage ↗Karsten Hilse · Über diese Quelle dokumentiert; Original nicht unabhängig abgerufen.
  • Faktencheck zum Beispiel ↗Stefan Rahmstorf / KlimaLounge, Spektrum SciLogs · 20.3.2019
  • Volcanoes Can Affect Climate ↗U.S. Geological Survey · Vergleich der globalen jährlichen Emissionen ausdrücklich einschließlich submariner Vulkane; 0,13 bis 0,44 Gigatonnen gegenüber 35 Gigatonnen menschlich im Vergleichsjahr 2010.

Beispiel geprüft am 9.10.2026. Die Bewertung bezieht sich auf die überprüfbare Aussage.

02Wie die Aussage funktioniert

Tippe auf die markierten Formulierungen. Ein sprachliches Muster allein sagt noch nichts über die Absicht einer Person.

stoßen aus als alle Menschen zusammen.
GENAU HINSEHEN

Wähle eine markierte Formulierung, um ihre Wirkung zu verstehen.

03Was sagen die Fakten?

01

Die globale Bilanz zählt

Vulkane setzen Kohlendioxid bei Ausbrüchen und auch außerhalb sichtbarer Eruptionen frei. Der US Geological Survey berücksichtigt diese natürliche Quelle, kommt aber auf wesentlich geringere globale Mengen als bei menschlichen Aktivitäten. Die menschlichen Emissionen entstehen vor allem durch die Nutzung fossiler Energieträger und weitere industrielle Prozesse. Für den Vergleich ist nicht entscheidend, ob eine einzelne Quelle eindrucksvoll aussieht. Man muss alle relevanten Quellen über denselben Zeitraum summieren; auch Unsicherheiten der Schätzungen ändern den grundlegenden Größenunterschied nicht.

Belege [1] [2]
02

Eine Wolke besteht nicht nur aus CO₂

Ein Vulkan stößt unterschiedliche Stoffe aus. Asche, Wasserdampf, Kohlendioxid und Schwefelverbindungen haben verschiedene Eigenschaften. Große Mengen von Schwefeldioxid können nach Umwandlung in Aerosole zeitweise Sonnenlicht zurückstreuen und die Erdoberfläche abkühlen. CO₂ trägt dagegen zum Treibhauseffekt bei. Die Klimawirkung eines Ausbruchs lässt sich deshalb weder an der sichtbaren Größe seiner Wolke ablesen noch pauschal mit der Wirkung fossiler CO₂-Emissionen gleichsetzen. Man muss Stoffart, Verbleib in der Atmosphäre und Zeithorizont unterscheiden.

Belege [1]
03

Ausnahmen ersetzen keinen Jahresvergleich

Einzelne Vulkane und Ausbruchsphasen können sehr unterschiedliche Emissionsraten besitzen. Eine richtige Zahl zu Yellowstone oder einem kurzen Ausbruch beweist daher noch keine Aussage über alle Quellen weltweit. Der USGS-Beitrag zu Yellowstone ordnet die lokale Quelle ausdrücklich in den viel größeren menschlichen Gesamtausstoß ein. Wer eine gegenteilige Bilanz behauptet, sollte Datenquelle, Einheit und Bezugsjahr nennen. So wird sichtbar, ob eine Momentanrate, eine gesamte Eruption oder eine Jahresmenge miteinander verwechselt wurden.

Belege [2]

30-SEKUNDEN-WISSEN

Das bleibt hängen.

  • Vulkanisches CO₂ ist real, liegt weltweit jährlich aber deutlich unter den menschengemachten Emissionen.
  • Die sichtbare Größe einer Eruptionswolke verrät nicht ihre enthaltene CO₂-Menge oder gesamte Klimawirkung.
  • Vergleiche benötigen denselben Zeitraum und müssen Asche, Schwefelaerosole, Wasserdampf und Kohlendioxid unterscheiden.

04„Ja, aber …“

Wenn das Gespräch hier weitergeht.

„Aber bei einem riesigen Ausbruch ist der Mensch doch unbedeutend.“+

Ein großer Ausbruch kann lokal verheerend und für das Klima zeitweise bedeutsam sein. Daraus folgt keine größere jährliche CO₂-Menge als die aller Menschen. Wichtig ist außerdem, ob wir CO₂-Erwärmung oder die vorübergehende Kühlung durch Aerosole vergleichen.

„Natürliche Emissionen zählen also plötzlich nicht?“+

Sie zählen selbstverständlich zur Bilanz. Entscheidend ist ihre Größenordnung und ob sie sich verändern. Eine natürliche Quelle wird nicht ignoriert, nur weil Messungen zeigen, dass sie die behauptete Überlegenheit gegenüber dem menschlichen Ausstoß nicht besitzt.

Gespräch trainieren

05Prüf es selbst.

Die Bewertung gilt für diese konkrete Formulierung. Sie ersetzt keine Beurteilung ähnlicher Aussagen oder einzelner Personen.

  1. 01
    US Geological Survey

    Volcanoes Can Affect Climate

    Globale CO₂-Größenordnung und kühlende Wirkung vulkanischer Schwefelaerosole.

    Veröffentlicht: Ohne eindeutig ausgewiesenes Veröffentlichungsdatum · Abgerufen: 8.10.2026
  2. 02
    US Geological Survey

    How much CO2 does Yellowstone emit?

    Einordnung lokaler Vulkanemissionen gegenüber globalen menschlichen Emissionen.

    Veröffentlicht: 2024 · Abgerufen: 8.10.2026
Warum diese Aussage? Verbreitung & Kontext +

AFP dokumentierte im August 2024 auf sozialen Plattformen eine Grafik, die Vulkanemissionen gegenüber dem jährlichen menschlichen CO₂-Ausstoß stark übertrieb. Hier wird das zugrunde liegende Mengenargument geprüft, ohne dem Einzelbeispiel repräsentative Reichweite zuzuschreiben.

Die Belege dokumentieren konkrete Beispiele. Sie sind keine repräsentative Messung der heutigen Verbreitung. Die sachliche Bewertung steht mit ihren Belegen oben.

Quellen werden erst beim Anklicken extern geöffnet. Veröffentlichungen können sich ändern. Redaktioneller Prüfstand: 8.10.2026.