Klima: Strahlungsphysik · ARGUMENTATIONSKARTE 147

„CO₂ macht nur rund 0,04 Prozent der Luft aus und kann deshalb das Klima nicht verändern“

FalschGeprüft am 8.10.2026

Der geringe Mengenanteil von CO₂ ist kein Maß für seine geringe Wirkung. Entscheidend ist, welche Strahlung ein Molekül absorbiert. Die Hauptbestandteile der Luft haben andere Eigenschaften. Der gerundete Anteil von etwa 0,04 Prozent beschreibt eine Konzentrationsgröße, widerlegt aber keinen Treibhauseffekt.

01Das kannst du sagen

DEINE WORTE. DEIN STIL.

Die Wirkung hängt nicht nur vom Mengenanteil ab. CO₂ absorbiert Wärmestrahlung in bestimmten Bereichen; Stickstoff und Sauerstoff verhalten sich anders. Ein kleiner Anteil kann deshalb klimatisch wichtig sein.

BELEGTES BEISPIELPeter Vögele12.10.2022 · Kontext ansehen

Sprecher des AfD-Ortsverbands Böblingen/Sindelfingen; von der AfD benannter Sachverständiger

Öffentliche Anhörung des Bundestagsausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zu klimabedingten Schäden und Verlusten. Schriftliche Stellungnahme, Seite 1; mündliche Behauptung zusätzlich in der Bundestagszusammenfassung dokumentiert.

Zitatausschnitt

„CO2 kann also weder eine „Gegenstrahlung“ zur Erdoberfläche verursachen noch Strahlungsenergie speichern.“

Worum es geht: Der geringe Anteil von CO₂ an der Atmosphäre bedeutet, dass es das Klima nicht beeinflussen kann.

Einordnung des Beispiels · Falsch: Ein kleiner Mengenanteil schließt eine erhebliche Strahlungswirkung nicht aus. CO₂ absorbiert und emittiert Infrarotstrahlung anders als die Hauptbestandteile Stickstoff und Sauerstoff. Der Austausch von Energie durch Molekülstöße beseitigt diese Eigenschaften nicht.

Die ungefähre Konzentrationsangabe ist richtig. Falsch ist der Schluss, CO₂ könne deshalb das Klima nicht beeinflussen. Vögele war damals Sprecher eines AfD-Ortsverbands; sein Auftritt als Sachverständiger war keine wissenschaftliche Bestätigung durch den Bundestag.

Beispiel geprüft am 9.10.2026. Die Bewertung bezieht sich auf die überprüfbare Aussage.

02Wie die Aussage funktioniert

Tippe auf die markierten Formulierungen. Ein sprachliches Muster allein sagt noch nichts über die Absicht einer Person.

CO₂ macht der Luft aus und kann .
GENAU HINSEHEN

Wähle eine markierte Formulierung, um ihre Wirkung zu verstehen.

03Was sagen die Fakten?

01

Nicht jedes Gas absorbiert gleich

Die Atmosphäre besteht überwiegend aus Stickstoff und Sauerstoff. Diese Moleküle reagieren auf infrarote Wärmestrahlung anders als Treibhausgase wie CO₂. Die NOAA erklärt deshalb ausdrücklich, warum Spurengase trotz ihres geringen Mengenanteils den Strahlungshaushalt beeinflussen können. Eine Prozentangabe über die Zusammensetzung der Luft ist real und nützlich, aber allein keine Berechnung ihrer Treibhauswirkung. Dafür sind die Absorptionseigenschaften der Moleküle und die jeweils herrschenden Bedingungen in der Atmosphäre wesentlich.

Belege [1] [2]
02

Was „rund 0,04 Prozent“ bedeutet

Die häufig genannte Zahl ist eine grobe Darstellung des atmosphärischen CO₂-Anteils. Sie ist keine unveränderliche Naturkonstante und sollte nicht als exakter Messwert für jeden Ort und Zeitpunkt behandelt werden. Für die Behauptung reicht bereits die wichtigere Unterscheidung: Der Anteil am Gasgemisch und der Anteil an einer physikalischen Wirkung sind verschiedene Größen. Dass eine Substanz mengenmäßig selten ist, erlaubt ohne Kenntnis ihres Mechanismus keine Aussage darüber, ob eine zusätzliche Menge die Energiebilanz verändert.

Belege [1]
03

Den richtigen Vergleich wählen

Das Argument lässt sich nicht reparieren, indem man den Prozentwert nur genauer ausrechnet. Zuerst muss die passende Frage gestellt werden: Wie verändert zusätzliches CO₂ die Abgabe von Wärmestrahlung aus dem Erdsystem? Die NOAA erläutert diesen Zusammenhang anhand der besonderen Eigenschaften von Treibhausgasen. Ein Vergleich mit Mengenanteilen anderer Gase ist nur dann sinnvoll, wenn ihre unterschiedlichen Strahlungswirkungen berücksichtigt werden. Damit ist noch keine einzelne Klimaschutzmaßnahme bewertet; geklärt ist lediglich, warum das Spurengasargument die physikalische Wirkung nicht widerlegt.

Belege [2]

30-SEKUNDEN-WISSEN

Das bleibt hängen.

  • Der Mengenanteil eines Gases und seine Wirkung auf Wärmestrahlung sind unterschiedliche Größen.
  • CO₂ absorbiert infrarote Strahlung anders als die viel häufigeren Luftbestandteile Stickstoff und Sauerstoff.
  • Rund 0,04 Prozent ist eine grobe Konzentrationsangabe, kein Beweis gegen den Treibhauseffekt.

04„Ja, aber …“

Wenn das Gespräch hier weitergeht.

„Eine so kleine Menge kann doch niemals entscheidend sein.“+

Das hängt vom Prozess ab. Hier geht es um die Aufnahme und Abgabe von Wärmestrahlung, nicht um den größten Anteil am Luftvolumen. Man muss die Eigenschaften der beteiligten Moleküle vergleichen, bevor man aus ihrer Menge auf die Wirkung schließt.

„Dann ist Sauerstoff doch viel wichtiger.“+

Für die Atmung ist Sauerstoff entscheidend. Daraus folgt nichts über seine relative Rolle bei infraroter Strahlung. Wichtigkeit ist immer auf eine bestimmte Funktion bezogen; ein Gas kann für das Leben wichtig sein und eine andere Treibhauswirkung besitzen als CO₂.

Gespräch trainieren

05Prüf es selbst.

Die Bewertung gilt für diese konkrete Formulierung. Sie ersetzt keine Beurteilung ähnlicher Aussagen oder einzelner Personen.

  1. 01
    NOAA Global Monitoring Laboratory

    Basics of the Carbon Cycle

    Grundlagen von CO₂, Strahlungswirkung und Luftzusammensetzung.

    Veröffentlicht: Ohne eindeutig ausgewiesenes Veröffentlichungsdatum · Abgerufen: 8.10.2026
  2. 02
    NOAA Global Monitoring Laboratory

    Education and Outreach: Greenhouse gases

    Warum Spurengase trotz kleinem Mengenanteil relevant sind.

    Veröffentlicht: Ohne eindeutig ausgewiesenes Veröffentlichungsdatum · Abgerufen: 8.10.2026
Warum diese Aussage? Verbreitung & Kontext +

AFP dokumentierte im März 2024 ein Facebook-Video, das unter anderem den kleinen atmosphärischen CO₂-Anteil als Argument verwendete. Diese Karte prüft nur das physikalische Spurengasargument; Länderanteile werden gesondert behandelt.

Die Belege dokumentieren konkrete Beispiele. Sie sind keine repräsentative Messung der heutigen Verbreitung. Die sachliche Bewertung steht mit ihren Belegen oben.

Quellen werden erst beim Anklicken extern geöffnet. Veröffentlichungen können sich ändern. Redaktioneller Prüfstand: 8.10.2026.