Vernichtungskrieg · ARGUMENTATIONSKARTE 003

„Die Wehrmacht hatte mit den NS-Verbrechen nichts zu tun, das war nur die SS“

FalschGeprüft am 8.10.2026

Wehrmacht und SS waren verschiedene Organisationen; daraus folgt keine Unbeteiligtheit der Wehrmacht. Quellen belegen verbrecherische Befehle, eigene Taten und Zusammenarbeit mit Mordverbänden. Die institutionelle Verantwortung bedeutet zugleich nicht, jedem einzelnen Soldaten ohne Prüfung dieselbe persönliche Schuld zuzuschreiben.

01Das kannst du sagen

DEINE WORTE. DEIN STIL.

Die Wehrmacht war nachweislich an NS-Verbrechen beteiligt: durch eigene Taten, verbrecherische Befehle und Zusammenarbeit mit Einsatzgruppen. Das ist eine Aussage über die Organisation; individuelle Schuld muss für einzelne Menschen gesondert untersucht werden.

02Wie die Aussage funktioniert

Tippe auf die markierten Formulierungen. Ein sprachliches Muster allein sagt noch nichts über die Absicht einer Person.

Die Wehrmacht hatte mit den NS-Verbrechen , das war .
GENAU HINSEHEN

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03Was sagen die Fakten?

01

Akten statt Legende

Das Bundesarchiv erschließt Quellen des Heeres und der Waffen-SS zum Angriff auf die Sowjetunion. Es verweist unter anderem auf den Kommissarbefehl und dokumentiert die enge Zusammenarbeit mit Einsatzgruppen. Die Wehrmacht war nicht bloß eine neutrale militärische Kulisse: Sie verübte auch selbst Verbrechen an Soldaten und Zivilisten. Solche Akten erlauben eine Prüfung konkreter Strukturen und Vorgänge, statt sich allein auf nachträgliche Selbstdarstellungen ehemaliger Angehöriger zu verlassen.

Belege [1]
02

Ein dokumentierter konkreter Fall

Die Bundesarchiv-Dokumentation zum Kindermord von Chozum stützt sich auf Anlagen zum Kriegstagebuch der 56. Infanterie-Division. Der Vorgang zeigt, warum die Formel „nur die SS“ nicht trägt. Zugleich sollte kein einzelnes Beispiel als vollständiges Bild jedes Verbandes, Kriegsschauplatzes oder Soldaten ausgegeben werden. Für die Organisationsgeschichte werden zahlreiche Quellen zusammengeführt; für eine individuelle Biografie sind konkrete Einsatzorte, Funktionen und Handlungen entscheidend.

Belege [2]
03

Warum die Erzählung fortwirkte

Das US Holocaust Memorial Museum beschreibt, wie nach dem Krieg beschönigende Darstellungen ehemaliger Offiziere und geringe strafrechtliche Verfolgung die Legende begünstigten. Spätere Forschung und Ausstellungen machten die Verstrickung stärker öffentlich. Eine Familie kann deshalb aufrichtig eine entlastende Geschichte überliefert haben, die historisch unvollständig ist. Quellenkritik bedeutet, diese Überlieferung zu prüfen, ohne aus familiärer Verbundenheit entweder automatische Entlastung oder pauschale persönliche Anklage abzuleiten.

Belege [3]

30-SEKUNDEN-WISSEN

Das bleibt hängen.

  • Wehrmacht und SS waren organisatorisch verschieden; beide waren in nationalsozialistische Verbrechen verstrickt.
  • Befehle und Kriegstagebücher ermöglichen eine konkrete Überprüfung jenseits beschönigender späterer Erinnerungen.
  • Institutionelle Verantwortung und individuelle Schuld sind unterschiedliche Fragen und müssen sorgfältig getrennt werden.

04„Ja, aber …“

Wenn das Gespräch hier weitergeht.

„Mein Opa war Soldat und kein Mörder.“+

Das kann zutreffen. Die Aussage über die Wehrmacht behauptet nicht, jeder Angehörige habe persönlich gemordet. Für deinen Großvater wären seine konkreten Handlungen zu untersuchen. Seine mögliche Unschuld widerlegt aber nicht die dokumentierten Verbrechen der Organisation.

„Auf der anderen Seite gab es auch Kriegsverbrechen.“+

Auch diese müssen aufgearbeitet werden. Ein Verbrechen hebt ein anderes nicht auf. Wir können verschiedene Täter und Kriegsschauplätze untersuchen, ohne die jeweiligen Belege gegeneinander zu verrechnen oder Verantwortung von einer Organisation auf eine andere zu verschieben.

Gespräch trainieren

05Prüf es selbst.

Die Bewertung gilt für diese konkrete Formulierung. Sie ersetzt keine Beurteilung ähnlicher Aussagen oder einzelner Personen.

  1. 01
    Bundesarchiv

    Unternehmen Barbarossa: der deutsche Überfall auf die Sowjetunion in den Quellen des Heeres und der Waffen-SS

    Archivalische Befehle, Wehrmachtsverbrechen und Zusammenarbeit mit Einsatzgruppen.

    Veröffentlicht: Ohne ausgewiesenes Datum · Abgerufen: 8.10.2026
  2. 02
    Bundesarchiv

    Der Kindermord von Chozum: Deutsche Soldaten im Abgrund

    Dokumente aus dem Kriegstagebuch der 56. Infanterie-Division.

    Veröffentlicht: Ohne ausgewiesenes Datum · Abgerufen: 8.10.2026
  3. 03
    United States Holocaust Memorial Museum

    The German Military and the Holocaust

    Verstrickung der Wehrmacht und Entstehung der Entlastungslegende.

    Veröffentlicht: Ohne ausgewiesenes Datum · Abgerufen: 8.10.2026

Quellen werden erst beim Anklicken extern geöffnet. Veröffentlichungen können sich ändern. Redaktioneller Prüfstand: 8.10.2026.