Sicherheitsdaten · ARGUMENTATIONSKARTE 053

„Alle gemeldeten Todesfälle nach Impfungen sind Impftote“

FalschGeprüft am 8.10.2026

Meldesysteme sammeln bewusst auch unbestätigte Verdachtsfälle. Ein Todesfall nach einer Impfung ist deshalb nicht automatisch durch sie verursacht. Die Meldungen sind wichtig für die Suche nach Risikosignalen; sie dürfen weder als fertiger Kausalitätsnachweis noch als grundsätzlich bedeutungslos behandelt werden.

01Das kannst du sagen

DEINE WORTE. DEIN STIL.

Eine Verdachtsmeldung ist kein bestätigter Impftod. Meldesysteme nehmen auch zeitlich folgende Ereignisse auf. Ob eine Impfung die Ursache war, muss zusätzlich geprüft werden. Genau deshalb heißen diese Einträge Verdachtsfälle.

BELEGTES BEISPIELJoachim Kuhs16.9.2021 · Kontext ansehen

AfD, Mitglied des Europäischen Parlaments; Rede im Namen der ID-Fraktion

Plenardebatte im Europäischen Parlament über Transparenz bei Entwicklung, Ankauf und Verteilung von COVID-19-Impfstoffen. Der amtliche Wortlaut belegt den Todesfallvergleich. Ein späterer Facebookbeitrag verwies auf 1.028 Meldungen; die ARD dokumentierte diesen am 13.10.2021.

Zitatausschnitt

„mehr Menschen an den Folgen der COVID-19-Impfung gestorben“

Worum es geht: 2021 seien an Corona-Impfungen mehr Menschen gestorben als in den vorangegangenen 20 Jahren an allen anderen Impfungen zusammen.

Einordnung des Beispiels · Unbelegt: Kuhs machte aus Meldungen im zeitlichen Zusammenhang eine Bilanz verursachter Todesfälle. Das PEI sammelt bewusst Verdachtsmeldungen; deren Zahl allein bestätigt weder die Ursache noch einen belastbaren Vergleich verschiedener Impfkampagnen. Schwere Nebenwirkungen bleiben möglich und müssen untersucht werden.

Der Vergleich über zwanzig Jahre ist mit den herangezogenen Meldedaten nicht belegt. Er ist ein konkretes Beispiel für die Verwechslung von Verdachtsmeldungen und bestätigten Ursachen. Das bedeutet weder, dass alle gemeldeten Ereignisse durch die Impfung verursacht wurden, noch, dass keines damit zusammenhing. Die Rede stammt vom 16. September 2021; der amtliche Sammelband erschien am 3. September 2024.

Beispiel geprüft am 9.10.2026. Die Bewertung bezieht sich auf die überprüfbare Aussage.

02Wie die Aussage funktioniert

Tippe auf die markierten Formulierungen. Ein sprachliches Muster allein sagt noch nichts über die Absicht einer Person.

gemeldeten Todesfälle .
GENAU HINSEHEN

Wähle eine markierte Formulierung, um ihre Wirkung zu verstehen.

03Was sagen die Fakten?

01

Warum auch Verdachtsfälle zählen

Das PEI erklärt, dass die Meldeschwelle niedrig sein soll, damit mögliche Risiken früh auffallen. Deshalb werden auch Ereignisse aufgenommen, bei denen zunächst nur die zeitliche Nähe zur Impfung bekannt ist. Diese Offenheit ist eine Stärke des Systems, keine Bestätigung sämtlicher Vermutungen. Ergänzende Informationen werden nachgefordert und Daten aus verschiedenen Quellen zusammen betrachtet. Ein öffentlich zugänglicher Datensatz muss deshalb mit seinen Erläuterungen gelesen werden, nicht nur mit seiner größten Zahl.

Belege [1]
02

Welche Vergleiche nötig sind

Auch ohne Impfungen erkranken und sterben Menschen. Für die Prüfung eines Risikos sind deshalb Alter, Vorerkrankungen, Zeitraum und die übliche Häufigkeit des Ereignisses relevant. Spontanmeldungen bieten dafür allein keinen sauberen Nenner und keine gleich erfasste Kontrollgruppe. Sie können eine gezielte Untersuchung anstoßen. Die einfache Division aller Meldungen durch Impfdosen beantwortet dagegen nicht automatisch, wie häufig eine bestätigte Nebenwirkung auftritt oder wie viele Todesfälle ursächlich entstanden sind.

Belege [1] [2]
03

Ernst nehmen ohne Vorverurteilung

Der PEI-Bericht zu COVID-19-Impfstoffen fasst Verdachtsmeldungen bis Ende 2024 zusammen. Die Reichweite dieser Daten ist ausdrücklich begrenzt. Nebenwirkungsbewertung und die sozialrechtliche Anerkennung eines einzelnen Impfschadens sind außerdem unterschiedliche Verfahren. Wer diesen Unterschied erklärt, erklärt Betroffene nicht zu eingebildeten Kranken. Beschwerden und Todesfälle können reale, schwere Ereignisse sein, während die Frage nach ihrer Ursache offenbleibt und eine sorgfältige, nachvollziehbare Prüfung erfordert. Das ist kein Widerspruch, sondern medizinische Sorgfalt.

Belege [1] [2]

30-SEKUNDEN-WISSEN

Das bleibt hängen.

  • Eine Verdachtsmeldung dokumentiert eine Vermutung; sie ist noch kein bestätigter Nachweis einer Todesursache.
  • Niedrige Meldeschwellen helfen bei der Risikosuche, machen rohe Meldezahlen aber ungeeignet als fertige Schadensbilanz.
  • Betroffene ernst zu nehmen und die behauptete Ursache sorgfältig zu prüfen sind miteinander vereinbar.

04„Ja, aber …“

Wenn das Gespräch hier weitergeht.

„Die Behörden verschweigen also die echten Zahlen.“+

Die Rohdaten werden gerade veröffentlicht, damit Sicherheitsfragen untersucht werden können. Daraus folgt keine Vollständigkeit oder Fehlerfreiheit. Wenn du eine Lücke vermutest, brauchen wir eine konkrete Datenfrage. Alle Verdachtsfälle als verursacht zu zählen würde die Lücke nicht schließen.

„Und Untererfassung gibt es auch!“+

Ja, Spontanmeldesysteme können Ereignisse übersehen; zugleich enthalten sie nicht bestätigte Vermutungen. Beides ist bei der Auswertung zu berücksichtigen. Eine pauschale Hochrechnung mit einem beliebigen Faktor macht aus Verdachtsfällen keine verlässlich gezählten ursächlichen Schäden. Dafür braucht es Vergleichsdaten.

Gespräch trainieren

05Prüf es selbst.

Die Bewertung gilt für diese konkrete Formulierung. Sie ersetzt keine Beurteilung ähnlicher Aussagen oder einzelner Personen.

  1. 01
    Paul-Ehrlich-Institut

    FAQ: Regulation: Arzneimittelsicherheit

    Unterschied zwischen Verdachtsmeldung, ermittelter Nebenwirkung und individuell anerkanntem Impfschaden; Abschnitte mit verschiedenen Aktualisierungsdaten.

    Veröffentlicht: Ohne eindeutig ausgewiesenes Veröffentlichungsdatum · Abgerufen: 8.10.2026
  2. 02
    Paul-Ehrlich-Institut

    Bericht über Verdachtsfälle von Nebenwirkungen und Impfkomplikationen nach Impfung zum Schutz vor COVID-19

    Berichtszeitraum bis 31.12.2024; Verdachtsmeldungen und Sicherheitsüberwachung.

    Veröffentlicht: 8.4.2025 · Abgerufen: 8.10.2026

Quellen werden erst beim Anklicken extern geöffnet. Veröffentlichungen können sich ändern. Redaktioneller Prüfstand: 8.10.2026.