„Wer in der Ukraine Russisch spricht, will natürlich zu Russland gehören“
Sprache bestimmt keine politische Zugehörigkeit. KIIS-Umfragen von 2022 zeigen, dass auch viele russischsprachige Befragte territoriale Zugeständnisse ablehnten. Die Erhebungen haben kriegsbedingte Grenzen und messen nicht unmittelbar jeden Annexionswunsch; sie widerlegen aber die behauptete automatische Gleichsetzung.
01Das kannst du sagen
DEINE WORTE. DEIN STIL.Russisch zu sprechen ist keine Abstimmung über Staatsgrenzen. Menschen können Russisch als Alltagssprache haben und sich politisch zur Ukraine zugehörig fühlen. Das zeigen auch differenzierte Umfragen.
02Wie die Aussage funktioniert
Tippe auf die markierten Formulierungen. Ein sprachliches Muster allein sagt noch nichts über die Absicht einer Person.
Wähle eine markierte Formulierung, um ihre Wirkung zu verstehen.
03Was sagen die Fakten?
Ein konkreter Gegenbefund
KIIS fragte im September 2022 nach möglichen territorialen Zugeständnissen zur schnelleren Beendigung des Krieges. Unter russischsprachigen Befragten, die sich ethnisch als Ukrainer einordneten, lehnten 85 Prozent solche Zugeständnisse ab; zehn Prozent befürworteten sie. Die Frage ist nicht identisch mit einem Referendum über jeden denkbaren Anschluss. Sie zeigt aber deutlich, dass russische Alltagssprache und die Bereitschaft zur Aufgabe ukrainischer Gebiete nicht automatisch zusammenfallen.
Was die Stichprobe nicht kann
Die KIIS-Dokumentation zur Erhebung im Dezember 2022 erläutert wichtige Grenzen: Befragt wurden Erwachsene innerhalb der Ukraine; bereits vor dem 24. Februar 2022 nicht ukrainisch kontrollierte Gebiete und nach Kriegsbeginn ins Ausland Gegangene waren nicht Teil der Grundgesamtheit. Kriegsbedingungen können Erreichbarkeit und Antwortverhalten zusätzlich beeinflussen. Deshalb darf eine solche Befragung nicht als exaktes aktuelles Abbild aller Menschen auf der Krim oder im Donbas ausgegeben werden.
Identität nicht für andere festlegen
Sprachgebrauch, ethnische Selbstbeschreibung, Staatsangehörigkeit und politische Präferenz sind verschiedene Merkmale. Manche Menschen verbinden sie eng, andere nicht. Eine faire Diskussion lässt diese Kombinationen offen und verzichtet darauf, aus einem Merkmal ungefragt die anderen abzuleiten. Selbst eine nachgewiesene Mehrheit innerhalb einer Gruppe würde keine Aussage über jede einzelne Person erlauben. Umfragen helfen beim Verständnis von Verteilungen; sie verleihen keinem äußeren Akteur die Vollmacht, über alle Befragten zu verfügen.
30-SEKUNDEN-WISSEN
Das bleibt hängen.
- Sprache, ethnische Identität, Staatsangehörigkeit und politische Wünsche sind unterschiedliche Merkmale.
- KIIS ermittelte 2022 auch unter russischsprachigen Befragten deutliche Ablehnung territorialer Zugeständnisse.
- Die historischen Umfragen bilden besetzte Gebiete und ins Ausland Geflüchtete nicht vollständig ab.
04„Ja, aber …“
Wenn das Gespräch hier weitergeht.
„Aber im Osten ist die Kultur doch russisch geprägt.“+
Kulturelle Prägung kann für Menschen wichtig sein, entscheidet aber nicht automatisch über ihre politischen Wünsche. Auch innerhalb derselben Region und Sprache gibt es Unterschiede. Für eine Aussage über Zugehörigkeit brauchen wir ihre eigenen Äußerungen oder geeignete Erhebungen, keine kulturelle Zuweisung von außen.
„Umfragen im Krieg sind unzuverlässig.“+
Sie sind schwieriger und müssen mit Einschränkungen gelesen werden. Das rechtfertigt keine erfundene Sicherheit in die Gegenrichtung. Wenn Daten lückenhaft sind, sollten wir weniger pauschal urteilen. Sprache bleibt auch dann kein Beweis für einen bestimmten Anschlusswunsch.
05Prüf es selbst.
Die Bewertung gilt für diese konkrete Formulierung. Sie ersetzt keine Beurteilung ähnlicher Aussagen oder einzelner Personen.
- 01Kyiv International Institute of Sociology
Dynamics of readiness for territorial concessions: survey September 7-13, 2022
Im September 2022 lehnten 85 Prozent der befragten russischsprachigen ethnischen Ukrainer territoriale Zugeständnisse ab; eingeschränkte Kriegserhebung.
Veröffentlicht: Ohne ausgewiesenes Datum · Abgerufen: 8.10.2026 - 02Kyiv International Institute of Sociology
Dynamics of readiness for territorial concessions: survey December 4-27, 2022
Stichprobe und Ausschlüsse; unterschiedliche Sprachgruppen sind nicht mit Zustimmung zu Annexionen gleichzusetzen.
Veröffentlicht: Ohne ausgewiesenes Datum · Abgerufen: 8.10.2026
Quellen werden erst beim Anklicken extern geöffnet. Veröffentlichungen können sich ändern. Redaktioneller Prüfstand: 8.10.2026.