„Hitler wurde von einer absoluten Mehrheit demokratisch zum Kanzler gewählt“
Hitler wurde am 30. Januar 1933 von Reichspräsident Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Die NSDAP hatte zuvor keine absolute Stimmenmehrheit erreicht. Ihre erhebliche gesellschaftliche Unterstützung ist dennoch unbestreitbar; Ernennung, Wahlergebnisse und anschließende gewaltsame Ausschaltung der Demokratie müssen auseinandergehalten werden.
01Das kannst du sagen
DEINE WORTE. DEIN STIL.Hitler wurde zum Kanzler ernannt, nicht direkt vom Volk in dieses Amt gewählt. Im November 1932 erhielt die NSDAP 33,1 Prozent; selbst im bereits gewaltsam verzerrten Wahlkampf März 1933 nur 43,9 Prozent.
02Wie die Aussage funktioniert
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03Was sagen die Fakten?
Die entscheidende Reihenfolge
Bei der letzten freien Reichstagswahl im November 1932 bekam die NSDAP 33,1 Prozent der Stimmen. Am 30. Januar 1933 ernannte Hindenburg Hitler zum Reichskanzler. Es folgten die Auflösung des Reichstags und Neuwahlen. Diese Reihenfolge ist wichtig: Die März-Wahl kann nicht als Wahlakt beschrieben werden, der Hitler erstmals ins Kanzleramt brachte. Das Amt hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits inne; die staatlichen Machtmittel standen dem neuen Regime zur Verfügung.
Der März war keine freie Ausgangslage
Vor der Wahl am 5. März 1933 waren Gegner verhaftet, eingeschüchtert oder in den Untergrund gedrängt worden. Die Reichstagsbrandverordnung hatte zentrale Grundrechte außer Kraft gesetzt. Trotzdem erreichte die NSDAP nur 43,9 Prozent; eine parlamentarische Mehrheit entstand mit dem deutschnationalen Bündnispartner. Daraus folgt weder, dass alle Wähler Diktatur wollten, noch dass das Regime gesellschaftlich isoliert war. Es zeigt, warum Prozentwerte ohne Wahlbedingungen eine unzureichende Erzählung ergeben.
Verantwortung nicht wegdefinieren
Die Korrektur widerlegt eine bestimmte Darstellung, nicht die breite Unterstützung für den Nationalsozialismus. Das Museum dokumentiert sowohl die politische Mobilisierung der Partei als auch die Entscheidung konservativer Akteure, Hitler Macht zu übertragen. Für heutige Gespräche lautet die sachliche Lehre deshalb nicht, Wahlen seien wertlos. Zu untersuchen ist vielmehr, wie demokratische Rechte und Institutionen vor ihrer schrittweisen Ausschaltung geschützt werden können.
30-SEKUNDEN-WISSEN
Das bleibt hängen.
- Hitler wurde am 30. Januar 1933 von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt, nicht direkt gewählt.
- Die NSDAP erreichte im November 1932 33,1 und im März 1933 43,9 Prozent der Stimmen.
- Die März-Wahl fand bereits unter Terror und eingeschränkten Grundrechten statt; das ist für ihre Bewertung entscheidend.
04„Ja, aber …“
Wenn das Gespräch hier weitergeht.
„Aber seine Koalition hatte doch eine Mehrheit.“+
Eine Koalitionsmehrheit ist etwas anderes als eine absolute Stimmenmehrheit der NSDAP. Außerdem waren im März bereits Freiheit und Chancengleichheit massiv beschädigt. Dass parlamentarische Verfahren benutzt wurden, macht die Ausschaltung von Opposition und Grundrechten nicht demokratisch.
„Dann hatten die Deutschen damit gar nichts zu tun?“+
Das folgt daraus überhaupt nicht. Millionen unterstützten die NSDAP; zahlreiche Menschen und Institutionen trugen ihre Herrschaft mit. Die konkrete Behauptung über das Kanzleramt zu korrigieren ist keine Entlastung der Gesellschaft, sondern eine genauere Beschreibung ihrer unterschiedlichen Verantwortlichkeiten.
05Prüf es selbst.
Die Bewertung gilt für diese konkrete Formulierung. Sie ersetzt keine Beurteilung ähnlicher Aussagen oder einzelner Personen.
- 01Deutsches Historisches Museum / LeMO
Die Reichstagswahl vom 5. März 1933
Ergebnisse 1932/1933 und fehlende Freiheit des Wahlkampfs 1933.
Veröffentlicht: Ohne ausgewiesenes Datum · Abgerufen: 8.10.2026 - 02Deutsches Historisches Museum / LeMO
Etablierung der NS-Herrschaft
Ernennung Hitlers, Terror und Abbau demokratischer Rechte.
Veröffentlicht: Ohne ausgewiesenes Datum · Abgerufen: 8.10.2026 - 03United States Holocaust Memorial Museum
The Nazi Party
Einordnung der NSDAP, Antisemitismus, Antimarxismus und Diktatur.
Veröffentlicht: Ohne ausgewiesenes Datum · Abgerufen: 8.10.2026
Quellen werden erst beim Anklicken extern geöffnet. Veröffentlichungen können sich ändern. Redaktioneller Prüfstand: 8.10.2026.